Julia Raufer vom Sicherheitsdienst Steinberger im „Kuz“ in Mainz
„Die Jungs akzeptieren mich voll und ganz“, sagt sie stolz. „Dass ich eine Frau bin, macht keinen Unterschied.“

„Hey, Mädchen, guck nicht so böse! Das steht dir nicht.“ Julia ignoriert den angetrunkenen Jungmann, der ihr mit einer Bierflasche zuprostet. Stoisch bahnt sich die 23-Jährige mit ihrem Partner den Weg durch die Masse der Feiernden: 90er Party im KUZ.

Es riecht nach Schweiß und Bier. Julia scannt mit ihren Blicken den Tanzraum. Sie hält Ausschau nach Raufbolden, Grapschern und Besoffenen. Seit drei Jahren arbeitet sie am Wochenende als Türsteherin im KUZ. Sie ist die einzige Frau im achtköpfigen Team des Ordnerdienstes. Genau wie damals, als sie in ihrer Ausbildung Hochhausfenster putzte und Tatorte reinigte.

„Die Jungs akzeptieren mich voll und ganz“, sagt sie stolz. „Dass ich eine Frau bin, macht keinen Unterschied.“

Gegen halb drei beginnt die gefährlichste Phase der Nacht. Betrunkene kommen und gehen. Gedränge an der Garderobe. „Die Stimmung gefällt mir nicht“, sagt ein Kollege, der seit 23 Jahren als Security arbeitet. Zu viele Leute, zu viele Gruppen auf einem Haufen.

Seine Worte klingen wie eine Vorahnung. Nur wenig später knallt es auf der Tanzfläche. Alarmstufe rot, donnert es aus Julias Funkgerät. Rot bedeutet: Eine Schlägerei ist im Gange. Nur schwarz ist schlimmer, dann sind Waffen im Spiel. Zu sechst stürmen Julia und ihre Kollegen los. Zwei groß gewachsene Männer haben sich auf der Tanzfläche ineinander verkeilt, prügeln wild aufeinander ein. Der eine blutet. Die Ordner separieren die Kontrahenten. Keine fünf Minuten später müssen beide die Halle verlassen.

Mitarbeiter Sicherheitsdienst Steinberger
Entscheidend ist die Zusammenarbeit der Kollegen. „Wir sind hier alle Freunde. Das ist wahnsinnig wichtig.“

„Das ist die Herausforderung in dem Job. Die ganze Nacht kann ruhig sein, dann musst du plötzlich in kurzer Zeit die richtigen Entscheidungen treffen“,

erklärt Julia, die sich mit Energy-Drinks wach hält. Entscheidend sei die Zusammenarbeit der Kollegen. „Wir sind hier alle Freunde. Das ist wahnsinnig wichtig.“ Einmal attackierten Jugendliche sie am Eingang. Da griff sie zum Pfefferspray, rief die Polizei, stellte Anzeige. Ein Restrisiko gibt es immer. Trotzdem liebt sie den Job.

„Das Schönste ist, wenn die Gäste mit einem Lächeln nach Hause gehen und sich bei uns für einen schönen Abend bedanken.“

Um vier gehen im KUZ die Lichter an. Verschwitzte Menschen mit kleinen Pupillen bewegen sich durch die große Halle, wie Fische, die an Land gespült wurden. Wenn die Musik verstummt, leert sich das KUZ schnell. Julia begleitet eine Frau nach draußen, die sich auf der Toilette mehrfach übergeben hat. Dann geht es zur Nachbesprechung, inklusive Feierabendbier. Die Bilanz der Nacht: eine Schlägerei, zwei Männer, die Frauen belästigt haben und Minderjährige, die sich bis zwei Uhr vor den Ordnern versteckt haben. Alle wurden aus dem Club geworfen.

Der Einsatzleiter ist zufrieden: „Wir hatten heute jede Situation im Griff.“ Um fünf Uhr ist Schluss.

Julia zieht ihre Schutzweste aus und sperrt die Ausrüstung in einen Schrank. Bis sie schlafen kann, wird es noch etwas dauern. „Nach dem Dienst wirken die Eindrücke der Nacht immer nach. Ich muss jetzt erstmal runter kommen.“

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Quelle: Sensor Magazin, März 2015 Nr.49 | Text: Florian Barz & Mara Braun; Fotos: Jonas Otte